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Unfälle

Haftung für Unfälle auf Wanderwegen

Das Probelm der Haftung oder der Schadenersatzpflicht tritt nur auf, wenn jemand einen Schaden erlitten hat. Die Situation eines Menschen kann durch vielerlei Faktoren beeinträchtigt werden. Jeder kann sie selbst verschulden, indem er Sorgfaltspflichten verletzt. Dieser Faktor wird als Selbstverschulden bezeichnet. Auch äussere Einflüsse können eine Rolle spielen, so das Wetter. Man spricht dabei von höherer Gewalt, wenn ein Naturereignis so intensiv ist, dass die anderen Mitursachen als unbedeutend erscheinen. Die Rechtsprechung nimmt aber selten höhere Gewalt an. Schliesslich gilt in Zweifelsfällen, so bei Zufall, dass derjenige den Schaden zu tragen hat, den ihn erleidet. Bevor auf einzelne Haftungsfragen eingegangen wird, sollten unter dem zusammenfassenden Titel der Eigenverantwortlichkeit solche Fragen kurz, ohne präzise juristische Unterscheidung bzw. Einordnung behandelt werden.

Eigenverantwortung der Wandernden

Wer wandert, tut dies aufgrund seines eigenen Entschlusses und nach eigener Wahl der Route. Er ist dafür verantwortlich, dass er die Wanderung seinen Fähigkeiten anpasst und so ausgerüstet und vorbereitet ist, wie es die Schwierigkeit und Dauer der beabsichtigten Wanderung verlangt. Die Wandernden selber sind in erster Linie dafür verantwortlich, die Wanderung ohne Unfall ausführen zu können. Es gilt somit der Grundsatz der Eigenverantwortung. Zudem ist vom Grundsatz Kenntnis zu nehmen, wonach der blosse Zufall denjenigen trifft, in dessen Vermögen oder Person er sich ereignet ("casum sentit dominus").

Wer Wander- oder Bergwanderwege benützt, muss mit den dort üblichen Verhältnissen rechnen, wie Unebenheiten des Weges oder Stellen, deren Passage eine besondere Aufmerksamkeit erfordert. Wander- und Bergwanderwege sollten, wenn immer möglich, Naturbelag haben, mit dessen Eigenheiten die Wandernden sich abfinden müssen.

Der Grundsatz der Eigenverantwortung der Wandernden gilt auch dann, wenn durch Transportunternehmungen vermehrt bergungewohnten und nicht entsprechend ausgerüsteten Personen das Wandern ermöglicht wird.

Niemend ist verpflichtet, für die Wandernden erkennbare typische Geländeschwierigkeiten, welche diese bei pflichtgemässer Sorgfalt meistern können, zu entfernen (Löcher, Mulden, einzelne Steinbrocken etc.). Damit muss auf Wanderungen gerechnet werden und der Verkehrssicherungspflichtige darf davon ausgehen, dass die wandernde Person die gebotene Vernunft und Vorsicht walten lässt und sich auf den Weg konzentriert. Verkehrssicherungspflichtig bedeutet, dass derjenige, der - beispielweise auf einer Gehfläche - einen Zustand schafft oder unterhält, der einen anderen schädigen könnte, verpflichtet ist, die zur Vermeidung eines Schadens erforderlichen Vorsichts- und Schutzmassnahmen zu treffen.

Die Grenze der Eigenverantwortung liegt da, wo die wandernde Person auch bei gehöriger Aufmerksamkeit Gefahren nicht oder nicht rechtzeitig zu erkennen vermag, so dass sie davor gesichert oder mindestens gewarnt werden muss. Es dürfen keine Fallen entstehen, wobei die Anforderungen im Vergleich mit dem Skisport geringer sein dürften, weil das Tempo eine wesentliche Rolle in der Erkennbarkeit einer Gefahr spielt. Fallen bzw. untypische Hindernisse oder Gefahren sind solche, die nach allgemeiner Lebenserfahrung und dem gewöhnlichen Lauf der Dinge nicht voraussehbar, aussergewöhnlich, versteckt, überraschend, mit anderen Worten nicht wanderwegkonform sind (Nagel, Draht im Handlauf, verdeckter Draht, morsche Brücke bzw. faules Geländer etc.).

Die Wandernden sind damit für einen erlittenene Unfall in erster Linie selber verantwortlich. Dies trifft zu, wenn der Unfall einen unglücklichen Zufall darstellt oder einzig Folge des unrichtigen Verhaltens der verunfallten Person ist und somit von ihr selber verschuldet ist. Höhere Gewalt (z.B. unerwarteter Steinschlag an einer scheinbar ungefährlichen Stelle) oder offensichtliches Fehlverhalten der wandernden Person (z.B. Balancieren auf dem Geländer am Rande einer Schlucht) sind Unfallursachen, für die nur die Eigenverantwortung zum Tragen kommen kann. Nur in Ausnahmefällen können Wandernde andere verantwortlich machen, etwa wenn Wanderwege nicht richtig angelegt, unterhalten bzw. gesichert oder falsch markiert sind sowie wenn sich Zusammenstösse mit untypischen (z.B. MTB-Fahrer) Benutzern ereignen.

Wer die Absicht hat zu wandern, konsultiert mit Vorteil eines der verschiedenen Merkblätter, um hinsichtlich Vorbereitung, Planung, Ausrüstung, richtiges Verhalten etc. den notwendigen Standard zu erreichen (vgl. u.a. Merkblätter bfu und Fischer Wiesmann oder SAW/BUWAL-Broschüre "Im Zeichen des Wanderns").


Auszug vom Merkblatt "Schriftenreihe Umwelt Nr.  266-Wanderwege, "Haftung für Unfälle auf Wanderwegen" herausgegeben vom Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) Bern, 1996.